Home Über das Festival Antonín Dvořák und sein Werk Antonín Dvořák (1841-1904)

Antonín Dvořák (1841-1904)

Antonín Dvořák ist unbestritten der bedeutendste Böhme aller Zeiten. Es gelang ihm, was lang nicht alle großen Künstler erleben durften: noch zu seinen Lebzeiten wurde er auf dem europäischen Festland, in England und den USA gefeiert und seine Werke gelangten sogar bis nach Australien.

Viele Tage seines Lebens verbrachte er auf Reisen. Er dirigierte in Deutschland, Österreich, Ungarn, Russland, besuchte neunmal England (1884-1896) und verbrachte drei Jahre in Amerika als Leiter des Nationalen Musikkonservatoriums in New York (1892-1895). In seinen ausländischen Erfolgen sah er nicht nur eine Huldigung seines schaffenden Genies, sondern auch seines Landes: "Aus all dem hinaus bin ich bereits zu der Überzeugung gelangt, dass für mich nun hier in England eine neue und, so Gott will, glücklichere Zeit anbricht, die, wie ich hoffe, der böhmischen Kunst gute Früchte bringen möge...", schrieb er am 14.3.1884 dem Prager Verleger Velebín Urbánek von seiner ersten Reise nach England. Er begnügte sich jedoch nicht nur mit dieser Aussage: Er selbst bemühte sich, bei deren Erfüllung zu helfen. In ausländischen Konzertgesellschaften wie auch bei seinen Verlegern setzte er Werke von Josef Suk, Zdeňek Fibich, Karel Bendl und anderen tschechischen Komponisten durch. Zu seiner Volkszugehörigkeit bekannte er sich immer stolz und nutzte jede Gelegenheit, um an die glanzvolle Vergangenheit, aber auch Gegenwart seines Landes zu erinnern: "Vor zwanzig Jahren haben wir Böhmen sehr wenig bedeutet; nun freuen wir uns darüber, dass unser nationales Brauchtum wieder auflebt und wer weiß, ob nicht wieder unsere ruhmreichen Zeiten von vor fünf Jahrhunderten zurückkehren, als ganz Europa zu den Böhmen aufschaute, zu meinem Volk, zu dem ich mich mit Stolz zähle!", betonte er 1886 in einem Interview für das prestigeträchtige, britische Abendblatt Pall Mall Gazette.

Antonín Dvořák hinterließ ein umfangreiches Werk an Kompositionen. Zu seinen Lebzeiten genossen vielleicht seine Kammermusikwerke die größte Popularität. Allerdings mahnte, oder wohl eher zwang, ihn auch sein Generalverleger aus Berlin, Fritz Simrock, unaufhörlich, vor allem Kammermusikstücke zu komponieren, die sich sehr gut absetzen ließen und so für seinen Berliner Verlag eine zuverlässige Geldquelle waren. Von seinen neun Symphonien hatten auf europäischen und amerikanischen Konzertbühnen die letzten vier immer einen garantierten Platz, dies auch dank der ergebenen Verehrer von Dvořáks Werk, den großen Dirigentenpersönlichkeiten seiner Zeit - Hans Richter, Hans von Bülow und Anton Seidl. Um die Aufführung von Werken aus dem Oratorien- und Kantatenbereich sorgten sich systematisch zahlreiche englische Musikfestivals. Die Kantate Svatební košile [Die Geisterbraut], op. 69, das Oratorium Svatá Ludmila [Die heilige Ludmilla], op. 71 und das Requiem, op. 89 schrieb Dvořák direkt als Auftragskompositionen aus England und wurde so eigentlich dank Englands zum Begründer des tschechischen Oratoriums. Erst die weltweite Resonanz von Dvořáks Werken gab den Impuls zu seiner Entwicklung in Böhmen (an sein Vermächtnis knüpften Zdeněk Fibich, Leoš Janáček, Josef Bohuslav Foerster, Josef Suk, Bohuslav Martinů u.a. an).

Antonín Dvořák hatte als Komponist das große Glück von tschechischen und ausländischen Ausnahmemusikern, die auch begeisterte Propagatoren seiner Musik wurden. Zu den bedeutendsten gehörten die Dirigenten Hans Richter, Hans von Bülow, August Manns, Sándor Erkel, Henry Joseph Wood, Gustav Mahler, Charles Lamoureux, Edouard Colonne, Theodore Thomas, Leoš Janáček, Oskar Nedbal und Karel Kovařovic, die Violinisten Pablo de Sarasate, Joseph Joachim, Henri Marteau und František Ondříček, die Cellisten Jean Becker und Robert Hausmann, der Solist der Wiener Staatsoper und Tenor Gustav Walter sowie Kammerensembles wie das Hellmesberger-Quartett, das Joachim-Quartett, das Florentiner Streichquartett oder das České kvarteto [Böhmisches Streichquartett]. Ein besonderer Platz in der Aufzählung seiner Gönner gehört allerdings dem deutschen Komponisten Johannes Brahms, der am 12.12.1877 seinem Berliner Verleger Fritz Simrock in einem Brief die Herausgabe des Zyklus Moravské dvojzpěvy [Mährische Duette], op. 29 und 32 empfahl und so den Weg für Dvořáks Musik nach Europa ebnete. "Brahms verdanke ich all mein jetziges Glück…", schrieb Antonín Dvořák am 18.6.1889 dem bedeutenden deutschen Kritiker Eduard Hanslick. Zwischen den beiden Komponisten entstand so von ihrem ersten Treffen an eine dauerhafte, von gegenseitiger Schätzung und Bewunderung erfüllte Freundschaft.

Das einzige Gebiet, auf dem Dvořák trotz eigener Bemühungen und der seiner Freunde und Gönner, besonders des bedeutenden Politikers František Ladislav Rieger, der über beträchtliche Auslandskontakte verfügte, nicht zum Durchbruch kam, war das der Oper. Obwohl es hier und da manch einen Hoffnungsschimmer gab: In Dresden (1882), Hamburg (1883) und Wien (1885) wurde die Oper Šelma sedlák [Der Bauer ein Schelm], op. 37 aufgeführt, der Direktor der Italienischen Operngesellschaft in London, Karl Rosa, forderte bei der ersten Reise des Komponisten nach England die Partitur der Oper Dimitrij, op. 64 an und die Inszenierung der Rusalka, op. 114 war drei Jahre lang an der Wiener Hofoper auf Initiative von deren Direktor, des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler, auf dem Spielplan. Trotzdem erfüllte sich Dvořáks Traum – jenseits der Grenzen seiner Heimat auch als Opernkomponist anerkannt zu sein - nicht.

In den letzten sechs Jahren seines Lebens lehnt Dvořák konsequent ausländische Aufträge für weitere Oratorien und Symphonien ab, Reisen reizen ihn nicht – nicht nach England und schon gar nicht nach Amerika, wohin ihn wiederholt an das Konservatorium von New York dessen Präsidentin Jeannette Thurber einlädt. Diesen Kompositions- wie Lebensabschnitt sieht er schon als definitiv abgeschlossen an. Ganz widmet er sich der Aufgabe, mit der er sein schöpferisches Vermächtnis krönen will – der Opernkomposition, wie er es auch in einem Zeitungsinterview aus dieser Zeit betont, dass nämlich "die Oper für das Volk das Nötigste ist" – und komponiert drei große Opernwerke: Čert a Káča [Die Teufelskäthe], op. 112, Rusalka, op. 114 und Armida, op. 115.

Trotz all des Ruhmes, trotz der zahlreichen Auszeichnungen, die er von heimischen wie ausländischen Kunstinstitutionen und -vereinen erhielt, blieb er dennoch ein bescheidener Mensch, seiner Familie, Arbeit und Heimat ergeben. Böhmische Musikkreise sahen in Dvořák eine Art "Botschafter" der böhmischen Länder im Ausland. Antonín Dvořák erfüllte diese Mission voll und ganz.

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